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Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
Elisabethenstrasse 23
4051 Basel

Fon 061 273 86 71
Fax 061 273 86 73

02.05.2017
«In der Apotheke erkennen wir Notfälle»

Barbara Ruesch führt die Rigi Apotheke Drogerie in Goldau.
Ihr grosses medizinisches Wissen stellt die Apothekerin täglich unter Beweis: Als erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen nimmt sie sich ausreichend Zeit für alle Anliegen ihrer Kunden.

Rahel Rohrer, pharmaSuisse

Frau Ruesch, warum sind Sie Apothekerin geworden?
Barbara Ruesch: Meine Stärken im Gymnasium lagen bei den Naturwissenschaften. Deshalb wollte ich zuerst Informatik oder Mathematik und Physik studieren. Gleichzeitig bin ich sehr kontaktfreudig und mag es, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Den Ausschlag gab ein Infoabend in einer Apotheke: Das breite Aufgabengebiet machte mir Eindruck, ich war sofort Feuer und Flamme. Familiär habe ich keinen Bezug zur Pharmazie – ich erinnere mich als Kind nur noch an die Traubenzückerli und Haselnüsse auf dem hohen Tresen in der Dorfapotheke.

Wie verlief das Studium?
Als junge Frau wollte ich natürlich nicht von zu Hause aus nach Zürich pendeln, sondern möglichst weit weg vom Elternhaus leben (lacht). Deshalb absolvierte ich die fünf Studienjahre an der Universität Bern. Ich wohnte in einer WG mit zwei anderen Pharmazie-Studentinnen. Das Studium war damals recht laborlastig. Neben dem Fachwissen finde ich extrem wichtig, dass die Kompetenzen für den Umgang mit den Kunden erworben werden.

Wie geben Sie persönlich diese Kompetenz an Ihre Mitarbeiterinnen weiter?
Indem ich sie vorlebe. Wir Apotheker sind die erste Anlaufstelle im Gesundheitswesen. Diese «Gastfreundschaft» muss der Kunde spüren. Bei der Anstellung der Mitarbeiterinnen und Lernenden prüfe ich dieses «Gen». Man kann das schon lernen, und wir üben es auch mit den Lernenden in Rollenspielen, aber grundsätzlich muss man es einfach im Blut haben. Qualität in der Beratung ist mir sehr wichtig.

Kommen die Kunden mit klaren Vorstellungen?
Der Grossteil unserer Kunden ist heute besser informiert als früher. Das ist eine Herausforderung. Viele meinen, sie wüssten Bescheid. Aber für den Kunden ist es schwierig, selbst zu entscheiden, was gut ist und was Sinn macht, weil ihm die fundierten Grundlagen dazu fehlen. Hier braucht es eine Fachberatung. Das ist unsere Aufgabe.

Und schätzen die Kunden die Beratung?
Ja. Es braucht die Fachperson, um sich in der Informationsflut und dem Internet-Dschungel zurechtzufinden. Der Kunde muss sich auf die Apotheke als kompetenten Ort verlassen können. Hier wird er unterstützt und begleitet und sein Anliegen ernst genommen. Bei zu engen Kleidern merke ich selber, dass sie nicht passen. Aber bei der Gesundheit braucht es einfach mehr Wissen. Zieht man rechtzeitig die richtigen Schlüsse, lässt sich oft verhindern, dass wertvolle Zeit verloren geht.

Sicher haben Sie ein Beispiel parat.
Als Apothekerin merke ich, wann jemand warten darf und wann jemand sofort weitergewiesen werden muss. Das Schlimmste ist, wenn man etwas verpasst, wie zum Beispiel eine beginnende Lungenentzündung, und den Kunden mit einem pflanzlichen Hustensirup nach Hause schickt. Es ist unsere Aufgabe, Notfälle zu erkennen. Dadurch entlasten wir das Gesundheitssystem, die Ärzte und die Notfallaufnahmen.

Klingt dramatisch …
… ist es manchmal auch: Ein Kunde suchte uns wegen Magenbeschwerden auf und meine Mitarbeiterin erkannte, dass es sich um einen Herzinfarkt handelte. Wir haben den Arzt kontaktiert, der Kunde wurde notfallmässig in ein Spital nach Zürich transportiert. Oder eine Frau verlangte für ihre Wunde am Bein Vita-Merfen. Ich wollte das Bein sehen. Die Wunde sah «strub» aus, kurz vor der Blutvergiftung! Ein paar Stunden später und es wäre schief herausgekommen. Wir schickten die Frau sofort mit dem Taxi ins Spital.

Arbeiten Sie mit den Ärzten Hand in Hand?
Es tut beiden Berufsgruppen sehr gut, sich auszutauschen. Mit den einen hat sich die Zusammenarbeit schon sehr gut eingespielt, mit anderen läuft noch nicht so viel. Zusammen können wir sehr viel herausholen – zum Wohl der Patienten. Hier in Goldau haben wir ein paar sehr schöne Beispiele, wie es gut funktioniert – ohne Hickhack wegen der Medikamentenabgabe

Wer kommt zu Ihnen?
Wir haben einen gut durchmischten Kundenstamm: Vom Touristen, der den Tierpark Goldau oder die Rigi besucht, bis zum chronisch kranken Menschen, der sein Rezept einlöst – wir beraten alle gerne. Jetzt kommen auch schon Eltern mit ihrem Nachwuchs, die ich bereits als Kinder gekannt habe. Bei vielen Stammkunden entsteht eine vertrauensvolle Beziehung. Das Lächeln der Kunden und ihre Zufriedenheit empfinde ich als Teil meines Lohns.

Bieten Sie auch Vorsorgedienstleistungen an?
Ja, wir machen in der Apotheke Blutzuckermessung, Eisenmessung, Cholesterinmessung, um nur einige zu nennen. Wir sind auch parat fürs Impfen, wir engagieren uns in der Darmkrebsvorsorge und beim Weltdiabetestag und so weiter. In der Apotheke haben wir oft einen besseren Zugang zur Prävention als der Arzt, denn wir erreichen auch die Gesunden.

Sind Ihnen Gesunde lieber als Kranke?
Wir beraten Leute in jedem Gesundheitszustand. Wir sind für Kranke da und auch für diejenigen, die gesund bleiben wollen. Die Leute möchten heute wissen: Wie bleibe ich gesund? Sie erwarten ein breites Sortiment und eine kompetente Beratung. Im Übrigen prüfen wir bei Rezepten nicht nur das «Technische», mein Anspruch ist, dass die Kunden begreifen, warum sie das Medikament nehmen müssen. Wir erklären den Nutzen und sprechen allfällige Probleme an. Wenn der Kunde seine Therapie versteht, schafft das Vertrauen. So helfen wir den Patienten, so senken wir die Kosten im Gesundheitswesen.

Mehr Medikamente bedeutet weniger Kosten?
Die teuersten Medikamente sind diejenigen, die nicht oder falsch eingenommen werden. Nochmals: Wer seine Medikamente richtig nimmt, weil er deren Wirkung versteht, erzielt ein optimales Resultat und stabilisiert seinen Gesundheitszustand. Heute werden Medikamente im Internet und beim Grossverteiler bagatellisiert. Es geht oft nur noch um den Preis.

Fürchten Sie die Konkurrenz?
Der Kampf wird grösser werden, es gibt Anbieter, die nur rasch gut verdienen wollen. Die Gesundheit ist das kostbarste Gut, man hat Verantwortung für sich und andere. Mich stört, wenn in der Schweiz dauernd ausschliesslich über Preise diskutiert wird. Qualität ist auf diesem sensiblen Gebiet wichtig und hat ihren Preis. Medikamente müssen an eine kompetente Fachberatung gebunden sein, sonst wird es irgendwann richtig teuer. Der Bumerang wäre vorprogrammiert.

Zur Person
Barbara Ruesch leitet seit 24 Jahren die Rigi Apotheke Drogerie in Goldau. Sie präsidierte acht Jahre den Apothekerverein des Kantons Schwyz und war Delegierte von pharmaSuisse, dem Berufsverband der Schweizer Apothekerinnen und Apotheker. Ihr Team umfasst vierzehn Frauen: vier Apothekerinnen, sieben Pharma-Assistentinnen (einige mit Teilzeitpensen), eine Drogistin und zwei Lernende. Als Bewegungsmensch verbringt die Schwyzerin ihre Freizeit am liebsten in der Natur mit Skifahren, Bergtouren, Skitouren, Schwimmen im See und Biken. Liebste Ferienziele sind Sardinien und Kanada. «Mein Traum ist es, einmal im Winter in Kanada Skifahren zu gehen.»



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