Zur Startseite
startseite | nofalldienste | geschäftsstelle | sitemap | impressum
 
 
   

Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
Elisabethenstrasse 23
4051 Basel

Fon 061 273 86 71

05.04.2018
Winzlinge mit grosser Wirkung

Sie sind klein, verursachen aber grosses Leiden: die Pollen. Derzeit lassen die Birken massenhaft männliche Keimzellen fliegen, die Allergikerinnen und Allergiker plagen. Was macht die an sich harmlosen Pollenkörner zum Feind?
Bettina Jakob, Leiterin Kommunikation und Medien, aha! Allergiezentrum Schweiz

Erst der Blick durch das Mikroskop macht das Unsichtbare sichtbar: Ein Pollenkorn ist im Durchschnitt 10 bis 150 Mikrometer gross. Das entspricht je nachdem nur Hundertsteln eines Millimeters! Bei 400-facher Vergrösserung aber springen einem die Körner beinahe ins Auge: Sie sind rundlich, je nach Art haben sie Dellen, mal eine Öffnung wie etwa die Gräser, mal drei wie Hasel und Birke. Kaum vorzustellen, dass diese Winzlinge – die als männliche Keimzellen vom Wind zu den weiblichen Blüten getragen werden, um diese zu befruchten – Menschen so quälen können: Schon jede fünfte Person in der Schweiz hat Heuschnupfen, und es werden immer mehr. «Auf die Birke ist etwa jeder Zehnte sensibilisiert», wie Karin Stalder, Expertin bei aha! Allergiezentrum Schweiz weiss. Warum reagieren viele Menschen auf die Pollen dieses Baumes?

Eiweisse lösen Reaktion aus
«Die Birkenpollen sind im Vergleich zu anderen Arten relativ klein. Sie gelangen einfach und schnell in unsere Atemwege», erklärt Allergieexpertin Stalder. Dort lösen sie die mühsamen Beschwerden der Pollenallergie aus. Wie sie dies tun? Mit bestimmten Eiweissen, den sogenannten Allergenen, die sie beinhalten. «Trifft ein Pollenkorn auf die Schleimhäute in Mund oder Nase, entlässt es diese Eiweisse. Sie setzen die allergische Reaktion in Gang», so Stalder. Das Immunsystem eines Allergikers bildet gegen die eigentlich harmlosen Proteine des Pollens Antikörper und Zellen der Schleimhäute schütten Histamin aus, was zur Entzündung der Bindehaut der Augen und der Nasenschleimhaut führt: Man niest, die Nase läuft, die Augen tränen, es juckt in Gaumen, Nase und Ohren. Doch warum sind gewisse Pflanzenarten – wie etwa die Ambrosia – aggressiver als andere? «Die allergenen Eiweisse sind je nach Pflanzenart verschieden», erklärt Stalder. Das belegen eindrückliche Zahlen: Schon rund 70 Birkenpollenkörner in einem Kubikmeter Luft können bei Allergikerinnen und Allergikern heftigste Reaktionen hervorrufen. Zu den hoch allergenen Arten zählen bei uns Hasel, Erle, Gräser, Roggen, Beifuss – und die gefürchtete Ambrosia: «Bei ihr reichen rund zehn Pollenkörner in einem Kubikmeter Luft, um als starke Belastung zu gelten», so Karin Stalder. Damit nicht genug: Pro Pflanzenart wirkt meistens nicht nur ein Eiweiss allergen, sondern gleich mehrere, wie Studien kürzlich zeigten. Somit kommt das Immunsystem von Heuschnupfengeplagten gleich mehrfach ins Schleudern.

Das Phänomen Kreuzreaktion

Heuschnupfen ist oft mit Nahrungsmittelallergien gekoppelt. Dabei erfolgt zuerst eine Sensibilisierung des Immunsystems durch eingeatmete Allergene wie zum Beispiel Hasel- oder Birkenpollen. Weil die Struktur dieser Allergene ähnlich ist wie die von Allergenen in gewissen Lebensmitteln, kommt es zu sogenannten Kreuzreaktionen.

  • Allergie auf Birken-, Hasel- und Erlenpollen:
    Hasel- und Walnuss, Mandel, Apfel, Kirsche, Birne, Pfirsich, Aprikose, Kiwi, Karotte, Sellerie, Soja
  • Allergie auf Beifuss:
    Sellerie, Karotte, Fenchel, Pastinake, Anis, Dill, Pfeffer, Paprika, Koriander, Kümmel, Kamille, Sonnenblumenkerne
  • Allergie auf Gräserpollen:
    Erdnuss, Soja, Kiwi, Tomaten, Melone, Getreide, Pfefferminze

Gefahr von innen und aussen
Pollen haben aber noch mehr Waffen auf Lager: Neben allergenen Eiweissen beherbergen sie auch Biomoleküle. «Sogenannte niedermolekulare Substanzen wie etwa Fettsäuren», so Stalder. Diese scheinen die allergische Reaktion massiv zu verstärken, wie Forschende rund um Prof. Dr. Claudia Traidl Hofmann des Instituts für Umweltmedizin des Helmholtz Zentrums München kürzlich zeigten. Eine ähnliche Rolle spielen Radikale, die ebenfalls im Pollenkorn vorkommen: Die Sauerstoffverbindungen reizen die Schleimhäute – was die Symptomatik des Heuschupfens verschärft. Das Fazit von Stalder: «Die Pollen plagen Allergikerinnen und Allergiker durch ein effektives Zusammenspiel ihrer Inhaltsstoffe.» Doch die Gefahr kommt nicht nur aus dem Innern der Winzlinge. Sondern auch von aussen. Eine zentrale Rolle für die allergene Wirkung der Pollen spielt gemäss Stalder auch die Schadstoffbelastung der Luft: «Bei Verbrennungsprozessen in Dieselmotoren, in der Industrie und Kehrichtverbrennungsanlagen entstehen Feinstaubpartikel. Diese können Eiweisse der Pollenkörner so verändern, dass sie noch aggressiver werden.» An heissen Sommertagen mit Smog in Städten und mit vielen Pollen in der Luft spitzt sich die Situation abermals zu: Dann nämlich, wenn sich aus den Schadstoffen Ozon bildet. Ozon reizt die Schleimhäute und vermindert die Lungenfunktion. Und das verschlechtert eine Pollenallergie zusätzlich. «Besorgniserregende Fakten» sind dies für Karin Stalder von aha! Allergiezentrum Schweiz – gerade wenn man bedenke, dass der Klimawandel die Pollensaison auch noch verlängert: Die Saison von Hasel, Birke und Esche beginnt etwa zwei bis drei Wochen früher als noch vor 20 Jahren. Die Gräser stehen rund zehn Tage früher in Blüte und gewisse Pflanzen blühen zudem länger. «Das spannt die Situation für Heuschnupfengeplagte weiter an», so Stalder

Richtige Therapie ist wichtig
Komplex ist alles miteinander verwoben, was Heuschnupfen beeinflussen kann. Sogar unser Lebensstil spielt eine Rolle. Hauptsächlich in der Zeit, in der sich unser Immunsystem entwickelt, als Fötus und als Baby: Die Prävention beginnt darum schon vor der Geburt – bei der Mutter: «Es ist wichtig, sich in der Schwangerschaft abwechslungsreich und ausgewogen zu ernähren. Ist das Baby da, sollte während der ersten vier Monate wenn möglich ausschliesslich gestillt werden», betont Stalder. Entwickelt sich dennoch eine Pollenallergie – sie kann in jedem Lebensalter zum ersten Mal auftreten –, muss sie unbedingt behandelt werden. «Sie ist keine Bagatellerkrankung und kann schlimmstenfalls zu einem allergischen Asthma führen», weiss die Allergieexpertin. Bei Heuschnupfen sollte man deshalb bei einem Arzt oder einer Allergologin vorstellig werden, damit dieser richtig behandelt werden kann: mit Antihistaminika als Nasensprays, Augentropfen oder Tabletten, eventuell kombiniert mit lokal eingesetztem Kortison. Wer das Übel gleich an der Wurzel anpacken will, geht eine Desensibilisierung an: «Bei der spezifischen Immuntherapie wird der Körper langsam an das Allergen gewöhnt. Die allergischen Reaktionen werden in vielen Fällen drastisch reduziert und verschwinden bestenfalls ganz», so Stalder.

Tipps bei Heuschnupfen von aha! Allergiezentrum Schweiz

  • Nur kurzes Stosslüften.
  • Vor dem Schlafengehen die Haare waschen.
  • Die Wäsche nicht im Freien trocknen lassen.
  • Bei schönem, windigem Wetter nur kurz an die frische Luft.
  • Immer eine Sonnenbrille tragen.
  • Sportliche Aktivitäten indoor verlegen.


Lesen Sie den ganzen Artikel unter www.astrea-apotheke.ch

Quelle: astreaApotheke, Ausgabe April 2018



Übersicht aller aktuellen Einträge
Zurück zur Homepage