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Basellandschaftlicher Apotheker-Verband

Frau Nadine Minder, lic.iur.
Elisabethenstrasse 23
4051 Basel

Fon 061 273 86 71

09.10.2019
Die Lösung direkt in der Apotheke

Oft kann man heute den Gang zum Arzt oder in die Notfallaufnahme umgehen. Denn viele gesundheitliche Probleme lassen sich direkt in der Apotheke abklären und behandeln. Seit Anfang Jahr dürfen Apothekerinnen und Apotheker alle Medikamente unter bestimmten Bedingungen ohne Arztrezept abgeben.
Rahel Rohrer, Schweizerischer Apothekerverband pharmaSuisse

Um das grosse Wissen der Pharmazeuten besser zu nutzen, hat der Gesetzgeber das Heilmittelgesetz (HMG) angepasst: Seit 1. Januar 2019 haben Apotheker mehr Kompetenzen und dürfen alle Medikamente abgeben – auch ohne Arztrezept.
So sollen Hausärzte und Notfallaufnahmen von Spitälern entlastet werden. Apotheker Fabian Vaucher, Präsident des Schweizerischen Apothekerverbands pharmaSuisse, erklärt, welche Vorteile die neue Praxis für Kunden bringt.

Herr Vaucher, was genau ist denn nun neu?
Fabian Vaucher: Die Apothekerinnen und Apotheker haben seit 1. Januar 2019 Zugriff auf das ganze Medikamentensortiment.
Das heisst, Kundinnen und Kunden können unter bestimmten Voraussetzungen in der Apotheke auch ein rezeptpflichtiges Medikament erhalten, ohne ein Arztrezept vorzuweisen.

Klingt gut – aber wo bleibt die Patientensicherheit?
Keine Angst, die Patientensicherheit ist nach wie vor prioritär. Apotheker haben nicht nur neue Rechte, sondern auch neue Pflichten. Wir klären seriös ab, wir wissen Bescheid und wir haben EDV-basierte Hilfsmittel, die uns unterstützen. Bei der Abgabe eines rezeptpflichtigen Medikaments sind wir verpflichtet, schriftlich exakt festzuhalten, welches Medikament wir abgeben und warum. Dass nicht mehr zwingend ein Arztrezept nötig ist, heisst nicht, dass wir die Medikamente leichtfertig abgeben. Es heisst vielmehr, dass der Apotheker jetzt die volle Verantwortung für die Abgabe übernimmt, indem er selbst den Kunden befragt und die Behandlung festlegt.

FĂĽr welche Abgabekategorien gilt die neue Regelung?
Sie gilt grundsätzlich für alle Abgabekategorien. Selbst für Medikamente der strengsten Abgabekategorie A, die früher nur auf Arztrezept und nur einmalig abgegeben werden durfte, hat der Apotheker jetzt die Kompetenz, sie in begründeten und dokumentierten Ausnahmefällen abzugeben.

Sprechen wir von der Abgabekategorie B, wo grundsätzlich ein Rezept nötig ist.
Darf der Apotheker alle Medikamente dieser Abgabekategorie abgeben?

Ja, er hat Zugriff auf das ganze Medikamentensortiment. Wir unterscheiden grundsätzlich zwei Fälle: Es gibt zurzeit 38 Medikamente, die vorher in der Abgabekategorie C waren und etzt aus Sicherheitsgründen hochgelistet worden sind ins B wie zum Beispiel Resyl Plus Tropfen gegen starken Reizhusten. Für diese ist neu ein Rezept nötig, das aber auch der Apotheker ausstellen kann. Die Pharma-Assistentin bereitet es vor und der Apotheker überprüft und gibt es frei.

Wird das Medikament dadurch teurer?
Das hat keinen Einfluss auf den Preis des Medikaments. Der Apotheker kann jedoch für die Beratung oder die vorgeschriebene Dokumentation eine Aufwandentschädigung verrechnen.

Sie haben zwei Fälle erwähnt?
Im weiten Fall sprechen wir von rezeptppflichtigen Medikamenten, die schon vorher in der Abgabekategorie B waren, aber neu auch direkt durch den Apotheker ohne Arztrezept abgegeben werden dürfen. Es handelt sich hier oft um Medikamente, die zur Behandlung von häufigen Krankheiten mit gutem Verlauf geeignet sind. Hier kann ich die Beispiele Blasenentzündung oder Halsentzündung nennen. Die Beratung findet nicht wie üblich an der Theke statt, sondern in einem diskreten, separaten Behandlungsraum. Der Apotheker geht nach einem genauen Schema vor, stellt die Krankheit fest und definiert die Therapie. Dann darf er das passende Medikament dazu verordnen und auch abgeben. Das Ganze wird dokumentiert und am Schluss unterschreibt der Kunde, dass er einverstanden ist. Zu dieser kostenpflichtigen Beratungsdienstleistung gehört auch, dass sich der Apotheker nach ein paar Tagen beim Kunden nach dem Gesundheitszustand erkundigt.

Ăśbernimmt die Krankenkasse diese Medikamente?
Leider nein. Im Moment werden unsere Leistungen im Zusammenhang mit der Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten noch nicht von der Grundversicherung übernommen. Dafür spart man sich jedoch die Spital- oder Arztkonsultation. Wir sprechen Kundinnen und Kunden an, die rasch eine Lösung brauchen. Sie sind in der Apotheke bestens bedient, es ist keine Terminvereinbarung nötig, sie warten nicht stundenlang in der Notfallaufnahme. Man spart also Zeit und erhält sofort eine kompetente persönliche Lösung. Am stärksten profitieren Kunden, die nicht schon bereits in regelmässiger ärztlicher Behandlung sind und eher eine hohe Krankenkassenfranchise gewählt haben.

Finden die neuen Dienstleistungen bei den Kunden Anklang?
Viele Kunden wollen eine rasche und professionelle Lösung. Und die bieten wir! Laut aktueller Umfrage des Forschungsinstituts GFS Bern wünschen 71 Prozent der Bevölkerung die direkte Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten in der Apotheke. Die Apotheke wird als kompetente erste Anlaufstelle bei allen gesundheitlichen Fragen geschätzt wie auch zahlreiche Vorsorgedienstleistungen, beispielsweise die Impferatung. Die Servicequalität ist entscheidend: Wenn wir es gut machen, bin ich überzeugt, dass unser Angebot ankommt. Für uns Apotheker ist es ein Meilenstein in der Geschichte. Diese Chance wollen wir packen. Es ist eine klassische Win-win-Situation: Apotheken haben ein breiteres Angebot und die Kunden profitieren davon.

Lesen Sie den ganzen Artikel unter www.astrea-apotheke.ch

Quelle: astreaApotheke, Ausgabe Oktober 2019



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